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Die Honigbienen sind sein Leben
Imker Guido Schöb ist nach 30 Jahren Vorstandstätigkeit, davon 21 Jahre als Präsident der Hinterthurgauer Bienenfreunde, zurückgetreten. Die Bienen werden ihn aber weiterhin begleiten.

Umschwärmt von Bienen, so fühlt sich Imker Schöb immer wohl.
Münchwilen - Anlässlich der Jahresversammlung 2007 der Hinterthurgauer Bienenfreunde wurde Imker Guido Schöb aus Guntershausen als Präsident verabschiedet. Aus der Laudatio, die von Vorstandsmitglied Barbara Schäublin auf Papier gebracht wurde, kann man nur erahnen, wieviele „Bienenstunden“ der scheidende Präsident für die Belange der Vereine verbracht hat. So fleissig wie seine Honigbienen musste er wohl sein, um allen Erwartungen zu entsprechen. Nun bleibt ihm sicher mehr Zeit, neben den Bienen auch noch weitere Hobbies zu pflegen und zusammen mit seiner Frau Annemarie den Ruhestand zu geniessen.
Annemarie und Guido Schöb
Die Imkerei im Blut
Guido Schöb lernte das Imkern von Kindsbeinen an auf dem elterlichen Hof in Nassen im Toggenburg, wo er aufgewachsen ist. Der Umgang mit Bienen wurde öfters mit dem Vater am Küchentisch diskutiert. Wen wundert es, dass Guido Schöb, nachdem er von zu Hause auszogen war, eine Familie gründete und seine Bleibe in Guntershausen in einem schmucken Einfamilienhaus fand, sich der Bienenzucht widmete. Er verfolgte einige Jahre das Geschehen als Mitglied im Verein der Hinterthurgauer Bienenfreunde, bevor er von Bernhard Wiesli entdeckt wurde. Der damalige Vorstand unter Präsident August Kaiser selig sollte von fünf auf sieben Mitglieder erhöht werden. So wurde der junge Naturliebhaber und Tüftler Guido Schöb am 11. Juli 1976 zusammen mit dem damaligen Arbeitskollegen und früh verstorbenen Peter Jakob in den Vorstand gewählt.
Modernisierung und Nachwuchsförderung
Die „Neuen“ brachten wieder Schwung in den Verein, Guido Schöb besuchte den Beraterkurs und übernahm das Amt des Kassiers am 29. März 1977. Sein Wissen aus der Arbeit bei der Forschungsanstalt Tänikon, heute Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, konnte er da einfliessen lassen. So präsentierte er gemäss Protokollbuch von 1978 seine erste Vereinsjahresrechnung nach neuem „Schema Schöb“, wie dort zu lesen ist und nebenbei wurde der Jahresbeitrag auf zehn Franken erhöht. In den Anfängen seiner Vorstandtätigkeit verhandelte Guido Schöb mit dem Volg über den Zuckerpreis (Ankauf, Lagergebühr und Fuhrlohn), 1 Kilo für Fr. 1.59, bis er sogar 1981 das Ganze auf eigene Rechnung für den Verein übernahm. Seine Begeisterung für die Bienenzucht wollte er möglichst vielen mitteilen, so leitete er im 1978 den ersten Anfängerkurs. Seither konnten an rund zehn Jungimkerkursen mit bis zu 30 Teilnehmern, viele werdende Jungimker von seinem fast unerschöpflichen Wissen profitieren. Mit viel Liebe, Geduld und grossem zeitlichen Aufwand verstand er es, das Imker-Handwerk auf natürliche Art und Weise weiter zu geben und so den Vereinsmitgliederschwund in Grenzen zu halten.
Vielseitige Aufgaben
1983 veröffentlichte Guido Schöb seinen ersten Artikel in der Bienenzeitung, im gleichen Jahr wurde er zum Vizepräsidenten der Hinterthurgauer Bienenfreunde gewählt. Zusammen mit Urs Schwager organisierte er 1985/86 den ersten Schreinerkurs bei dem ein Sonnenwachsschmelzer zur Gewinnung des Binenwachses gebaut wurde. Dank seines ruhigen, bestimmten und grossen Schaffens, wurde er am 28. Februar 1986 zum Präsidenten des Vereins gewählt. Als junger Präsident sah er schon das 125-Jahr-Jubiläum 1992 auf sich zukommen. Die Idee, die Delegiertenversammlung des VDRB Verband Deutschweizerischer und Rätoromanischer Bienenfreunde zu organisieren, war geboren. Doch die damalige Führung des VDRB brauchte dringend junges Blut. Schöb stellte sich der Herausforderung und liess sich 1987 in den Zentralvorstand des VDRB wählen. Hier wurde er mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die er umsichtig löste, zuerst das Rechnungswesen und
dann das Honigwesen. Doch auch im Hinterthurgauer Verein gab es noch einiges zu lösen.
Weiterbildung
Nach zeitaufwendigen Verhandlungen, mit zinslosen Darlehen von Vereinsmitgliedern, eigenem Kapital und persönlichem Einsatz konnte Präsident Schöb den Lehrbienenstand Au für den Verein kaufen. Das bereicherte das Vereinsleben enorm, wurden doch von da an viele Beraterabende in der Au durchgeführt. Viel Neues haben die Mitglieder dabei gelernt, wie die revolutionäre Honigschleuder, die Völkervermehrung „aus einem Volk mach acht Völker in einem Jahr“, die kanadische Königinnenzuchtmethode, die richtige Völkerführung, die Varroabehandlung, um mit Stichworten nur einige Themen zu nennen. Das enorme Wissen des Vereinspräsidenten rund um den Honig und die Honigsensorik war für die Mitglieder von unschätzbarem Wert. Andere Vereine und weitere Gäste folgten gerne und mit Interesse den Einladungen in den Lehrbienenstand, wo für das leibliche Wohl der Besucher wie für die Weiterbildung in Sachen Imkerei gut gesorgt war. Unvergessen bleiben den Vereinsmitgliedern die Familienabende in der Au.
Höhepunkte der Karriere als Präsident und für den Verein, waren die beiden Delegiertenversammlungen 1992 und 1999 des VDRB in Sirnach. Für die Verdienste zugunsten der Imkerei und des VDRB erhielt Guido Schöb im Jahr 2000 die Ehrenauszeichnung des VDRB.
Lehrbienenstand Sonnenhalde
Im Laufe des Jahres 2000 begann das Projekt des Lehrbienenstandes Sonnenhalde in Münchwilen erste Formen anzunehmen, entstanden aus Anregungen von Vereinsmitgliedern. Die Federführung lag beim Präsidenten, von der Planung bis zur Verwirklichung und der Einweihungsfeier im 2003. Der alte Lehrbienenstand in der Au wurde von Guido Schöb gekauft, damit die Bienenzucht dort oben weitergeführt werden kann. Während dieser Zeit hat der Präsident erstmals Rücktrittsabsichten geäussert, aber kein Gehör gefunden beim Vorstand. Mit viel Freude und Engagement war er anzutreffen, wenn die Kinderscharen vom Ferien(s)pass Hinterthurgau im Lehrbienenstand zu Besuch waren.

Mit Freude vermittelte Guido Schöb der Jugend viel Wissen um die Imkerei.
Ebenso Freude hatte der Vorstand, dass der Verein weiterhin in guten Händen lag. Im Zentralvorstand VDRB war Guido Schöb während zehn Jahren, im 1997 wurde er zum Ehrenmitglied erkoren. Nach über 30 Jahren Vorstandstätigkeit bei den Hinterthurgauer Bienenfreunden schien nun wirklich der richtige Zeitpunkt gekommen, ebenfalls das Amt in andere Hände zu legen. Ein Ruhebank wurde ihm und seiner Frau geschenkt.
Der Vorstand übereicht Guido Schöb zum Abschied eine Ruhebank: (von links) Othmar Camenzind, Barbara Schäublin, Beat Schoch, Guido Schöb, Paula Klarer, Rita Böhi und Patrick Hof
Mögen beide darauf viele geruhsame Stunden geniessen.
Aus der Regionalzeitung:
Rita Schmidlin/Barbara Schäublin
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